Hubarbeitsbühne mit Radantrieb oder Raupenfahrwerk - was ist besser für den Wald ?
27.05.2005
Der Maschineneinsatz im Wald hat in den letzten Jahren eine starke Zunahme erfahren. Während das Hauptaugenmerk bisheriger Untersuchungen in erster Linie auf Leistung und Kosten der Maschinen ausgerichtet war, wurde der Frage, wie sich derartige Fahrwerke auf das Wurzelsystem und den Boden auswirken, weit weniger Beachtung geschenkt.
In der Praxis werden neben Maschinen mit Radfahrwerken seit einigen Jahren zunehmend auch solche mit Raupenfahrwerken eingesetzt. Die Auswirkungen auf Boden und Wurzeln sind hierbei allerdings sehr unterschiedlich.
Die bodenstrukturellen Veränderungen lassen eine eindeutige Unterscheidung der Befahrungsvarianten zu. Dies gilt insbesondere, wenn allein die Radarbeitsbühne mit der Raupenarbeitsbühne verglichen wird. Die insgesamt größere Aufstellfläche des Raupenfahrwerks führt zu einer deutlichen Absenkung des Bodendrucks, vor allem dann, wenn es sich um einen Standort mit geringem Mikrorelief handelt. Der niedrigere Bodendruck verursacht geringere Strukturveränderungen. Dies lässt sich anhand der im Vergleich zur radbefahrenen Fläche höheren Leitfähigkeiten für Wasser und Luft erkennen. Bei Würdigung aller bodenphysikalischen Ergebnisse muss das Raupenfahrwerk als eindeutig bodenschonender eingestuft werden. Dies gilt gleichermaßen für die Ebene wie auch für den Hang
Der Zustand der Wurzeln sowie die Bodenstrukturveränderungen sind jedoch für die weitere Entwicklung des Bestandes von großer Bedeutung. Werden nun beide Fahrwerkstypen vergleichend untersucht, um Ausmaß und Intensität der Bodenstrukturveränderung und Wurzelverletzungen festzustellen, kann dieses an der Baumart Fichte sehr gut beobachtet werden. Da sie flach wurzelt, ist sie hinsichtlich einer Verletzung durch Befahrung besonders gefährdet.
Welche Vorteile bieten Raupenfahrwerke?
Homogene Druckverteilung,
Keine Tiefenverdichtung
Größere Standsicherheit der Arbeitsbühne
Wie verhält sich ein Radantrieb im Wald?
Ein unbelastetes Rad rollt schlupffrei. Sobald jedoch eine Umfangskraft übertragen wird, entsteht an einem rollenden Rad eines Fahrzeugs Schlupf, d.h. Radumfangsgeschwindigkeit und Fahrgeschwindigkeit differieren untereinander.
Beim treibenden Rad ist die Radumfangsgeschwindigkeit größer als die Fahrgeschwindigkeit, im Grenzfall dreht das Rad durch, während die Vorwärtsgeschwindigkeit des Fahrzeugs gleich Null ist. Umgekehrt liegen die Verhältnisse, wenn das Rad eines Fahrzeugs abgebremst wird. In diesem Falle ist die Radumfangsgeschwindigkeit kleiner als die Fahrgeschwindigkeit. Im Grenzfall blockiert das Rad (Umfangsgeschwindigkeit = 0) und das Fahrzeug rutscht.
Ergebnis:
Für den Geräteeinsatz von Arbeitsbühnen im Wald ist ein Raupenfahrwerk in aller Regel von Vorteil. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass unsachgemäße Behandlung des Raupenantriebs, z.B. durch ruckartiges Lenken oder Drehen auf der Stelle, den angestrebten Vorteil auch für den Wald schnell ins Gegenteil verkehren kann.
Autor: Günter Schipper, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei GL Verleih Arbeitsbühnen GmbH, Hofheim
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