Ladungssicherung: Nur wenige haben dazu gelernt!
19.05.2006

Die Unfallentwicklung bezüglich verlorener Ladung auf der Straße hat sich nicht wesentlich verbessert. Unfälle mit Personen- und Sachschäden wegen ungesicherter Ladung sind häufig, lassen sich aber mit entsprechender Schulung und Verständnis für Sicherheit vermeiden.
Große Irrtümer sind:
"Die Ladung ist so schwer, die bewegt sich nicht!"
"Jeder Gurt oder jede Kette hält zwei Tonnen!"
"Ich fahre schon viele Jahre so und mir ist noch nie was passiert!"
"Ich fahre vorausschauend und deshalb brauche ich die Ladung nicht zu sichern!"
Dies sind die Aussagen von Fahrern, die bezüglich mangelnder Ladungssicherung immer wieder getroffen werden. Ladungssicherung hat etwas mit Physik zu tun. Auf der Ladefläche eines Fahrzeuges, Aufliegers oder Anhängers entwickeln mangelhaft verladene Maschinen oder verpackte Güter durch Eigenmasse, Flieh- und Reibkräfte ein zerstörerisches Eigenleben und führen zu schweren Verkehrsunfällen. Jede Ladung hat das Bestreben, zu verrutschen, umzustürzen oder von der Ladefläche zu fallen - und wird das auch irgendwann tun, wenn sie nicht gesichert ist. Fliehkräfte und Gewicht der Ladung können sogar das ganze Fahrzeug oder den Anhänger umstürzen, wenn Befestigungen, Schwerpunktlagen und Geschwindigkeiten nicht stimmen.
Schäden die durch mangelhafte Ladungssicherung verursacht werden, sind oft mit menschlichem Leid, hohen materiellen Schäden und Bußgeld mit Punkten in Flensburg verbunden. Es können sogar im Extremfall und bei schweren Unfällen strafrechtliche Konsequenzen und Freiheitsentzug drohen.
Ladungssicherung wird oft als notwendiges Übel angesehen und meistens von den Fahrern nicht so ernst genommen. Gerade die selbst ernannten Praktiker haben angeblich ausreichende Kenntnisse und Erfahrung in der Ladungssicherung. Zeitdruck, Geldmangel und Unkenntnis in der Führungsetage führen trotzdem immer wieder zu Unfällen mit schwerwiegenden Folgen für alle Beteiligten. In manchen Bereichen des Transportwesens wird an allem gespart, das eigentlich nicht zum Sparen taugt. Fehlende und defekte Spanngurte, Fahrzeuge ohne Zurrpunkte, fehlende Stirnwandverstärkungen, ungeeignete Ladegestelle oder Fahrzeuge und unprofessionelle Beladung führen zu hohen Sachschäden, menschliches Leid, rechtliche Auseinandersetzungen und Schadensersatzforderungen. Und das alles wegen fehlender und unzureichender Ausbildung oder fehlendem Material. Die Ausrede, es lag an Zeitmangel, zieht dann nicht. Erst dann hat man auf einmal alle Zeit der Welt, um sich rechtlich und finanziell auseinanderzusetzen.
Wer ist eigentlich verantwortlich?
Die Verantwortung für die Ladungssicherung ist eindeutig definiert. Sie betrifft Fahrzeugführer, Lagerarbeiter, Staplerfahrer, Disponenten, Versender und Verlader gleichermaßen. Sie alle sollten über Kenntnisse zum Thema Ladungssicherung verfügen. Denn vor Gericht kann jeder von ihnen bestraft werden. Sie sitzen rechtlich alle im gleichen Boot. Sie alle müssen den Fahrer darauf hinweisen, wie die Ladung ordnungsgemäß gesichert wird, und ihn dabei unterstützen. Firmenrundschreiben, das die Fahrer beim Abholen von Maschinen oder Gütern für die Sicherung der Ladung verantwortlich sind, sind nicht rechtssicher und haben somit nur eine Alibifunktion aller anderen Beteiligten.
Was ist besser, Gurte oder Ketten?
Diese Frage kann bei vielen Fahrern so beantwortet werden. Ketten sind zu rostig und die Hände sind dann verdreckt, darum sind Gurte besser und zwei Tonnen sind zwei Tonnen. Was besser ist, Ketten oder Gurte, dies kann allen Beteiligten bei Schulungen mit Praxisteil verständlich erklärt werden.
Welche Schulung ist die Richtige?
Schulungen sollten wenn möglich immer mit Schwerpunktthemen versehen sein. Dies könnte eine Schulung speziell für Baumaschinen oder für Stückgut sein. Es nützt keinen Baumaschinenfahrer oder –versender eine Schulung mit Schwerpunkten wie Getränke-, Papier- oder Coiltransport. Hier sollte schon vorab genau geprüft werden was vermittelt wird. Achten Sie auch darauf ob es einen Praxisteil im Ausbildungsthema gibt, dies hat den Vorteil das sie auch vor Ort noch zusätzliche Erfahrungen sammeln können.
Schulungen zum Thema Ladungssicherung garantieren keine Straf- oder Punktefreiheit. Aber sie beugen vor und schützen somit alle Beteiligten durch erworbenes Fachwissen. Grundlage sollte dabei die VDI Richtlinie 2700 sein. Diese Richtlinie wurde Im Jahre 2004 erstellt und umfasst die grundlegenden Punkte für eine ein- bis dreitägige Ausbildung. Die Dauer der Ausbildung richtet sich nach den verschiedenen Transportgutarten. Reiner Baumaschinentransport kann ein Tag und eine Komplettausbildung (Papier, Coil, Getränke, Baumaschinen, usw.) bis zu drei Tage dauern. Es ist eine Auffrischung des absolvierten Kurses nach ca. drei Jahren empfehlenswert. Schon Vergessenes kann wieder in Erinnerung kommen und neue Standards sind immer gut.
Wo gibt es Informationen zum Thema Ladungssicherung?
Informationen gibt es reichlich, sie behandeln aber überwiegend den Stückgutbereich. Grundsätzliches ist aus der VDI-Richtlinie 2700 und der BGI 649 der Berufsgenossenschaft zu entnehmen. Gerade die Spediteure im Bereich Baumaschinentransporte und Schwertransporte werden es schwer haben, kompetente Ausbilder in diesen Bereichen zu finden. Es gibt sie, aber sie sind nicht leicht zu finden.
Autor: Günter Schipper, Ratingen, Schipper Industrieberatung
Fachkraft für Arbeitssicherheit bei GL Verleih Arbeitsbühnen GmbH, Hofheim
Foto: Günter Schipper betreut seit 5 Jahren den GL Verleih in allen Fragen der Sicherheit. http://www.industrieberatung-schipper.de
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